Die kurze Antwort: Die richtige Wattstunden-Klasse hängt davon ab, welche Geräte du wie lange versorgen willst. Faustregel: Camping-Wochenende = 1.000 Wh, Wohnmobil-Trip = 1.500–2.000 Wh, Notstrom-Haus = 2.000–3.000 Wh. Rechne alle Verbraucher in Wh um (Watt x Stunden), addiere 30 % Puffer für Umwandlungsverluste — und du hast deinen Bedarf.
- Faustregel: Camping 500–1.000 Wh, Wohnmobil 1.500–2.000 Wh, Notstrom-Haus 2.000–3.000 Wh.
- Formel: Bedarf in Wh = Summe (Watt x Stunden) aller Geräte x 1,3 (Sicherheitspuffer).
- Vergleichswerte: Kühlbox 35–45 W, Laptop 30–60 W, LED-Lampe 5–10 W, Wasserkocher 1.500–2.000 W (kurz).
- Pure Sinuswelle Pflicht — modifizierte Sinuswelle kann CPAP, Laptop, Drohne beschädigen.
- Solar nachladen rechnet sich erst ab 4+ Tagen Trip — siehe Solar-Ratgeber.
Wattstunden, Watt und Amperestunden — was ist was?
Bevor du eine Powerstation kaufst, solltest du diese drei Einheiten verstehen:
- Watt (W) = Leistung. Wie schnell ein Gerät Strom zieht. Beispiel: Wasserkocher = 2.000 W, Laptop = 35 W.
- Wattstunden (Wh) = Energiemenge. Wie viel Strom du speichern oder verbrauchen kannst. Beispiel: 1.000 Wh.
- Amperestunden (Ah) = veraltete Einheit. Bei Powerstations praktisch nicht mehr relevant. Wer 12-V-DC-Verbrauch rechnet: Wh = V x Ah, also 12 V x 100 Ah = 1.200 Wh.
Faustregel: 1 Watt für 1 Stunde verbraucht 1 Wattstunde. Eine 1.000-Wh-Powerstation kann theoretisch ein 100-W-Gerät 10 Stunden lang versorgen.
Schritt-für-Schritt: Deinen Bedarf berechnen
Schritt 1: Liste aller Geräte
Schreib auf, welche Geräte du anschliessen willst und mit welcher Leistung sie laufen. Typische Werte:
| Gerät | Leistung | Hinweis |
|---|---|---|
| LED-Lampe | 5–10 W | Dauerhaft |
| Smartphone laden | 5–18 W | ~10 Wh pro Ladung |
| Laptop | 30–60 W | Dauerhaft im Betrieb |
| Kompressor-Kühlbox 35 l | 35–45 W | ~50 % der Zeit aktiv |
| CPAP-Schlafapnoe-Gerät | 30–50 W | Dauerhaft 6–8 h pro Nacht |
| Drohne laden | 50–100 W | ~40 Wh pro Ladung |
| E-Bike-Akku laden | 150–250 W | ~500 Wh pro Ladung |
| Wasserkocher | 1.500–2.000 W | ~30 Wh für 1 Tasse Tee |
| Mikrowelle | 1.000–1.800 W | ~80 Wh für 5 Min |
| Haartrockner | 1.500–2.200 W | ~75 Wh für 3 Min |
| Heizlüfter | 1.500–2.000 W | nicht empfehlenswert |
Schritt 2: Stunden multiplizieren
Multipliziere für jedes Gerät: Watt x geplante Stunden = Wh pro Tag.
Beispiel Camping-Wochenende:
- 2x Smartphone laden: 2 x 10 Wh = 20 Wh
- LED-Lampe 4h pro Tag: 8 W x 4 h = 32 Wh
- Laptop 3 h pro Tag: 40 W x 3 h = 120 Wh
- Kompressor-Kühlbox 24 h (50 % aktiv): 40 W x 12 h = 480 Wh
- Wasserkocher 3x am Tag: 3 x 30 Wh = 90 Wh
- Summe pro Tag: ca. 750 Wh
- Plus 30 % Puffer: ca. 1.000 Wh
Für 2 Tage Camping-Wochenende brauchst du also rechnerisch 2.000 Wh — ABER: in der Praxis lädst du die Powerstation nach (z.B. mit Solar) oder reduzierst den Verbrauch. Mit einer 1.500-Wh-Powerstation + 200-W-Solarpanel kommst du locker durch.
Schritt 3: Spitzenleistung prüfen
Achte nicht nur auf Wh — auch auf die Dauerleistung in Watt. Beispiel: Wenn du einen 1.800-W-Wasserkocher anschliessen willst, brauchst du mindestens 1.800 W Dauerleistung (besser 2.000 W mit Puffer). Eine River-2-Max (500 W AC) kann das gar nicht erst betreiben — auch wenn die Kapazität locker reichen würde.
Realistische Setups nach Use Case
Tagestrip / Wandern (300–500 Wh)
- Smartphones, Tablets, kleine Lampe
- Eine River-2-Max-Klasse reicht
- Gewicht: ca. 5–6 kg
Camping-Wochenende (1.000 Wh)
- Kühlbox, Laptop, Lampe, mehrere Smartphone-Ladungen
- EcoFlow Delta 2 oder Jackery Explorer 1000 v2
- Mit 200-W-Solarpanel auch für 4–7 Tage Trip
Wohnmobil-Trip (1.500–2.000 Wh)
- Kompressor-Kühlbox, Laptop, TV/Beamer, Wasserkocher, viel Beleuchtung
- Bluetti AC200L oder EcoFlow Delta 2 Max
- Idealerweise mit 400-W-Solarpanel oder festem Dach-Modul
Notstrom-Vorsorge (2.000–3.000 Wh)
- Heizungspumpe, Router, Kühlschrank (rotierend), Notbeleuchtung, Handys
- EcoFlow Delta Pro oder Bluetti AC300 + B300
- Optional: feste Solarmodule am Balkon oder Garten
Baustelle / Werkzeug (2.000+ Wh und 2.000+ W)
- Bohrmaschine, Stichsäge, Akkulader, Hochdruckreiniger (mit X-Boost)
- EcoFlow Delta Pro (3.600 W mit X-Boost auf 4.500 W)
- Achte auf Anlaufstrom — Sägen brauchen kurz 2x ihre Nennleistung
Umwandlungsverluste — Warum 1.000 Wh nicht 1.000 Wh sind
Beim Entladen geht durch den Wechselrichter rund 10–15 % der Energie verloren. Eine 1.000-Wh-Powerstation liefert real also ca. 850–900 Wh an dein Gerät. Rechne deshalb mit dem Faktor 0,85 in der Formel:
Tatsächliche Laufzeit (Stunden) = Wh-Kapazität x 0,85 / Geräte-Leistung (W)
Beispiel: 1.000 Wh / 35 W Laptop = ca. 24 Stunden (rechnerisch 28,5 h, real 24 h).
Solar-Nachladung einplanen
Bei Trips über 3–4 Tage lohnt sich ein mobiles Solarpanel. Faustregel: Ein 200-W-Panel bei guter Sonne liefert ca. 100–150 W über 5–6 Stunden = 500–900 Wh pro Tag. Das reicht oft, um einen Tag Verbrauch wieder reinzuholen. Details: Powerstation mit Solar laden.
Fazit: Lieber etwas mehr als zu wenig
Die häufigste Fehlkalkulation ist zu klein dimensioniert zu kaufen. Eine 500-Wh-Powerstation klingt im Datenblatt gross — ist aber bei 3 Tagen Camping mit Kompressor-Kühlbox bereits am Limit. Wer Spielraum hat, sollte zur 1.000–1.500-Wh-Klasse greifen. Die kostet nicht doppelt so viel, gibt dir aber 3x so viel Sicherheit und ist auch für spätere Use Cases (Notstrom!) noch nutzbar.
Welches konkrete Modell zu deinem Use Case passt, siehst du in unseren Bestenlisten: bis 500 Euro, bis 1000 Euro.
Praxisbeispiel: Vom Verbraucher zur passenden Kapazität
Wenn deine Kühlbox im Schnitt 35 Watt zieht und 12 Stunden läuft, verbraucht sie etwa 420 Wh. Dazu kommen 80 Wh für Smartphones, 100 Wh für Licht und vielleicht 120 Wh für einen Laptop. Schon bist du bei rund 720 Wh pro Tag. Mit Reserve ist eine 1.000-Wh-Powerstation sinnvoller als ein kleines 500-Wh-Modell.
Kapazität automatisch berechnen
Wenn du deine Verbraucher nicht manuell addieren willst, nutze den kostenlosen Powerstation-Rechner. Er berechnet Tagesbedarf, Reserve, Wechselrichterleistung und passende Modellklasse.
Häufige Fragen
Wie viele Wattstunden brauche ich für ein Camping-Wochenende?
Für ein Camping-Wochenende (2 Personen, LED-Licht, Handy laden, kleine Kühlbox) reichen 500–1.000 Wh. Mit Kompressor-Kühlbox (35–45 W kontinuierlich) und Laptop solltest du eher 1.000–1.500 Wh planen. Tipp: Notiere alle Geräte mit Watt-Leistung und plane mal 1,3 als Sicherheitspuffer (Umwandlungsverluste).
Wie rechne ich Wattstunden in Geräte-Laufzeit um?
Formel: Laufzeit (Stunden) = Powerstation-Kapazität (Wh) x 0,85 / Geräte-Leistung (W). Beispiel: Eine 1.000-Wh-Powerstation versorgt einen 35-W-Laptop ca. 24 Stunden (1000 x 0,85 / 35 = 24,3 h). Der Faktor 0,85 berücksichtigt Umwandlungsverluste am Wechselrichter.
Was ist der Unterschied zwischen Watt und Wattstunden?
Watt (W) ist die Leistung — wie viel Strom ein Gerät im Moment zieht (z.B. ein Wasserkocher: 2.000 W). Wattstunden (Wh) ist die Energiemenge — wie viel Strom du speichern oder verbrauchen kannst. Ein 2.000-W-Wasserkocher zieht in 5 Minuten ca. 167 Wh (2000 W x 5/60 h).
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